Zu Besuch in der neuen Grundschule Oberneuland
Im Rahmen des Bildungsausschusses des Beirates Oberneuland hatten wir die Gelegenheit, die neue Grundschule Oberneuland zu besichtigen und uns über die aktuelle Entwicklung im Schul- und Bildungsbereich informieren zu lassen. Bereits die Tatsache, dass wir in der neuen Mensa tagen konnten, zeigte eindrucksvoll, wie weit das Projekt inzwischen fortgeschritten ist. Die neue Grundschule ist modern, freundlich und auf der Höhe der Zeit.
Besonders erfreulich ist aus meiner Sicht, dass damit eine Forderung umgesetzt wird, die den Stadtteil seit weit über zwanzig Jahren begleitet hat. In dieser Legislaturperiode ist es endlich gelungen, das Projekt zu realisieren. Der Beirat hat diesen Prozess über viele Jahre begleitet, unterstützt und immer wieder eingefordert.
Bei unserem Rundgang konnten wir uns vom Beirat einen guten Eindruck von den neuen Räumlichkeiten verschaffen, als Vater durfte ich die Räumlichkeiten bei Tageslicht und viel Kindergewusel ja bereits besichtigen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Als nächster Schritt steht die Sanierung und Modernisierung des Mittelgebäudes an, die dieses Jahr abgeschlossen werden soll. Besonders freue ich mich über die geplante Einrichtung eines modernen Musikraums. Gerade für die musikalischen Angebote, Chöre und weitere kreative Aktivitäten der Schule ist dies ein wichtiger Baustein.
Ganztag bietet echte Wahlmöglichkeiten
Beeindruckt hat mich auch das Angebot im Ganztagsbereich. Die Kinder können aus einer Vielzahl von Angeboten wählen. Dazu gehören unter anderem Leseförderung, Spielangebote, Entspannungsangebote sowie kreative und handwerkliche Aktivitäten, neben Sport auf dem Mehrzweckplatz. Dadurch entsteht ein Ganztag, der nicht einfach nur Betreuung ist, sondern echte Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Auch personell hat sich viel getan. Während früher rund zwanzig Mitarbeitende an der Schule tätig waren, berichtete Schulleiterin Frau Sense, dass heute bereits etwa 35 bis 40 Mitarbeitende zum Team gehören. Dies zeigt, wie stark die Schule gewachsen ist und welche Bedeutung der Ganztag mittlerweile einnimmt.
Erfreulich ist außerdem, dass inzwischen auch eine G+E-Klasse in Oberneuland eingerichtet wurde. Inklusion gehört heute selbstverständlich zu einer modernen Bildungslandschaft.
Schwieriger Start durch die Behörde
Neben den positiven Entwicklungen wurden aber auch Herausforderungen deutlich angesprochen. So berichtete die Schulleitung, dass beim Start des Schuljahres erst kurz vor Schulbeginn feststand, welche Stellen tatsächlich besetzt werden dürfen. Für eine Schule, die Planungssicherheit benötigt, ist dies eine äußerst schwierige Ausgangssituation.
Gerade deshalb verdienen die Mitarbeitenden der Schule große Anerkennung. Trotz dieser Rahmenbedingungen ist es gelungen, einen gelungenen Schulstart sicherzustellen.
Ein persönliches Highlight: Die neue Mensa
Und manchmal sind es die kleinen Dinge, die besonders in Erinnerung bleiben.
Die neue Mensa und das Verpflegungskonzept haben auf mich einen ausgesprochen positiven Eindruck gemacht. Die Schule verfügt über eine engagierte Köchin und ein abwechslungsreiches Angebot.
Als angekündigt wurde, dass es demnächst Nudeln mit Lachssauce geben soll, habe ich spontan gedacht:
„Da habe ich schon überlegt, ob ich mich nicht einfach mal mittags an einen Tisch schummeln und mitessen sollte.“
Das zeigt vielleicht am besten, wie positiv mein Eindruck der neuen Schule insgesamt war.
Schulentwicklungsplan: Jetzt brauchen wir belastbare Zahlen
Neben dem Rundgang spielte auch der kommende Schulentwicklungsplan eine wichtige Rolle. Hier sehe ich weiterhin erheblichen Diskussionsbedarf.
Aus Sicht des Beirates werden die zukünftigen Entwicklungen in Oberneuland bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Im Bereich Büropark wohnen bereits Familien mit Kindern. Hinzu kommen die weitere Entwicklung des Wohnparks Oberneuland sowie zusätzliche Wohnbauflächen im Bereich Mühlenfeld.
Deshalb stellt sich für viele von uns die Frage, ob die zugrunde gelegten Prognosen die tatsächliche Entwicklung unseres Stadtteils korrekt abbilden.
Besonders problematisch ist dabei die Situation im Planungsbezirk Ost. Oberneuland, Borgfeld und Horn-Lehe wachsen weiter. Gleichzeitig erleben wir bereits heute, dass viele Kinder wohnortnah Schulen außerhalb des eigentlichen Planungsbezirks besuchen. Ein Beispiel ist die Paul-Singer-Straße. Dort werden de facto Schulplätze genutzt, die sonst Kindern aus der Vahr zur Verfügung stehen würden.
Dadurch entsteht bereits heute ein Verdrängungswettbewerb um Schulplätze. Die Leidtragenden sind am Ende sowohl Familien aus Oberneuland als auch Familien aus der Vahr. Aus meiner Sicht kann das keine dauerhafte Lösung sein.
Genau deshalb ist es so wichtig, die tatsächliche Entwicklung der neuen Wohngebiete und die damit verbundenen Schülerzahlen realistisch zu berücksichtigen. Bildungsinfrastruktur muss dem Wachstum vorausgehen und darf nicht erst dann ausgebaut werden, wenn die Probleme bereits sichtbar geworden sind.
Besonders kritisch sehe ich, dass sich die Vorstellung des Schulentwicklungsplans seit langer Zeit verzögert. Der Beirat wartet inzwischen seit weit über einem Jahr auf belastbare Aussagen. Mehrfach wurden Termine angekündigt und anschließend kurzfristig wieder abgesagt. Das ist weder gegenüber dem Beirat noch gegenüber den betroffenen Familien zufriedenstellend.
Im Dezember soll es nun einen gemeinsamen Ausschuss mit den Beiräten aus Borgfeld und Horn-Lehe geben. Dort erwarten wir eine umfassende Vorstellung der Planungen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die betroffenen Stadtteile hier mit einer gemeinsamen Stimme auftreten.
Denn eines ist klar: Gute Bildung ist keine freiwillige Zusatzaufgabe. Sie ist eine zentrale Zukunftsinvestition für unsere Kinder und für Bremen insgesamt.
Jugendbeteiligung stärken
Ein weiteres wichtiges Thema war das neue Jugendforum für Oberneuland.
Der bisherige Jugendbeirat wird künftig durch ein flexibleres und niedrigschwelligeres Jugendforum ersetzt. Das bietet die Chance, junge Menschen einfacher und direkter für Beteiligung zu gewinnen. Besonders freut mich, dass Tamara Priemel im Ortsamt sowie Matthias Kook dieses Thema mit großem Engagement vorantreiben.
Der Beirat möchte diese Entwicklung aktiv unterstützen, auch finanziell soweit dies möglich ist.
Mir persönlich liegt politische Bildung besonders am Herzen. Gerade in einer Zeit, in der politische Diskussionen immer emotionaler und gesellschaftliche Konflikte sichtbarer werden, halte ich es für wichtig, junge Menschen früh an demokratische Prozesse heranzuführen.
Deshalb möchte ich das Thema auch stärker in die Arbeit des Bürgervereins einbringen , dort diskutieren und beispielsweise Veranstaltungen gezielt mit bewerben. Demokratie lebt vom Mitmachen. Das gilt heute mehr denn je.
Fazit
Der Besuch der neuen Grundschule war für mich ein sehr positiver Termin. Oberneuland hat lange auf diese Investition gewartet, und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Gleichzeitig dürfen wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen. Gute Bildung braucht langfristige Planung, ausreichende Kapazitäten und die aktive Einbindung junger Menschen in die Gestaltung unseres Stadtteils.
Genau daran müssen wir in den kommenden Monaten weiterarbeiten.
